Es war einmal ein kleiner Chor,
der hatte bald schon Großes vor.
Er wuchs, -an Umfang-, nicht an Klang,
doch seinem Leiter war nicht bang,
bestellt‘ ein Sinfonieorchester,
das fiedelte ein wenig fester,
bedeckt‘ mit seinem Überschwang
den leicht unfertigen Gesang.

Ihr wisst, von wem ich hier berichte,
wen ich hier liebevoll bedichte?
Richtig, den Jubiläumschor!
Bald stand noch "Madrigal"- davor
und auch "collegium vocale",
damit ein jeder weiß im Saale:
Wir kriegen was Besondres mit,
geleitet von Herrn Peter Schmidt!

Schwarz-weiß-betuchte Sängerriegen
führt er zu ungeahnten Siegen
vor ein erstauntes Publikum.
Kyrie, Sanctus, Lobgesänge,
dazwischen „Schmidt’sche Reibeklänge",
Marga Schmitz‘ Zigeunerlieder
wogten kräftig auf und nieder.
Mit unsern frisch gelernten Weisen
durften wir gar ins Ausland reisen,
zeigten auf der Frankreich-Tour
Fröndenberger Chorkultur.

Und wenn erst der Meister selber
in die Orgeltasten griff!
Wenn‘s vom ungewohnten Drange
verzweifelt in den Bälgen pfiff!
Unter fulminantem Klange
kracht und knirschet die Empore,
leichtes Bangen herrscht im Chore:
Hält sie oder hält sie nicht?.
Rasend brauset die Toccata,
bis die ganze Orgel bebt,
lautes Klappern der Pedale,
Gänsehaut bricht aus im Saale:
hat man solches schon erlebt?
Und wenn die Orgelbühne bricht,
unsern Meister schreckt das nicht.

Ach, es war ‘ne schöne Zeit!
Doch das Ende war nicht weit:
Wer sich wollt‘ am Gesange laben,
musste gute Nerven haben,
denn KM Schmidt, wie er sich nennt,
war von furiosem Temperament,
und so manche schöne Strophe
geriet schon bald zur Katastrophe.
Und dann konnten sich verbreiten
verschiedene Unstimmigkeiten,
leiser Unmut herrschte vor
und Peter Schmidt verließ den Chor.

Gott sei Dank kam bald ein Neuer,
unser lieber Otto Breuer.
Lehrte Gutes, Schönes, Reines,
übte Filigranes, Feines,
„a cappella", meinte Otto,
sei jetzt erst mal unser Motto.
Bescheidenheit sei auch geboten
beim Umgang mit berühmten Noten,
viele Kanons müsst‘ man singen,
sollt‘ das große Werk gelingen.

Es tönten die Lieder,
der Frühling kam wieder,-
in die arg geschrumpften Reih’n
kehrte wieder Hoffnung ein.
Bei Madrigal und auch Passion
trafen wir den rechten Ton.
Probten Motetten, Lieder, Messen,
Mendelssohn nicht zu vergessen.
Bald war allen nicht mehr bang
um den exquisiten Klang!

Doch Singen war uns nicht genug,
oft machten wir ‘nen Chorausflug.
Nach Bamberg ging‘s, dem deutschen Rom,
oder zum Altenberger Dom.
Würzburg genossen wir und tranken
reichlich vom guten Wein der Franken.
In Stade und im Alten Land
sich manche schöne Orgel fand.

Von Friedrichroda und der Wartburg Höh’n
konnten ins weite Land wir seh’n,
und bald darauf machten wir schon
im schönen Quedlinburg Station.

Und in all den vielen Jahren
Sind wir gern nach Bruay gefahren
und pflegten mit viel Leidenschaft
französisch-deutsche Partnerschaft.
Wir fuhren hin, sie kamen her,
und so entwickelt‘ sich ein reger Grenzverkehr.

Mit welcher Herzlichkeit sie uns empfingen,
wie man auch bei den kleinsten Dingen
viel Zuneigung und Freundschaft spürt‘,
das hat bestimmt dazu geführt,
dass wir auch in den nächsten Jahren
besonders gern nach Frankreich fahren.

Und zwischen all‘ den schönen Dingen
Gab‘s manche Möglichkeit zu singen.

Doch leider vor acht Jahren schon
ging Otto Breuer in Pension.
„Aus tiefer Not schrei ich zu dir"-
und „Hör mein Bitten"- flehten wir.
Und siehe da, in Menden fand
sich unser Kantor Helmut Brandt.

Er träumt von einem neuen Chor,
wir stellten uns ganz zwanglos vor,
und beide fanden dann beizeiten
so mancherlei Gemeinsamkeiten.
Wir wollten Bach und große Werke,
darin lag grade seine Stärke.

Doch erstmal nahmen wir uns mit Elan
Benjamin Brittens‘ „Christmas Carols" an
und meisterten mit viel Bravour
die etwas heikle Partitur.
„Balulalow" und „Wolcum yole",
„I sing of a maid" und „This little babe"-
Wir ließen „Herald Angels" singen,
„The angels trumps alarum" klingen-
Herr Breuer lauschte leicht verstört:
So aufgedreht hatt‘ er uns nie gehört!

Dann war der Sturm und Drang vorüber,
wir gingen zur gewohnten Ordnung über,
und sangen wieder Gutes, Reines,
auch etwas Exquisites, Feines,
und legten jetzt in alter Stärke
das Fundament für neue Werke.
Nahmen uns mit Herrn Rinkes Chor
Bachs Weihnachtsoratorium vor.

Nur war uns erst einmal nicht klar
wieviel daran zu üben war.
Wir mussten gar- welche Tortur-
nach Frenswegen in Klausur.
Doch heimlich sag ich : In der Nacht
hat die Klausur den meisten Spaß gemacht!
Gespräch, Gesang und roter Wein
ließen uns richtig glücklich sein.

Auch jetzt, nach 25 langen
Jahren ist die Freude nicht vergangen.
Wir singen wieder Madrigale, Messen,
Mendelssohn nicht zu vergessen,
und im Jubeljahre hat der Chor
wieder was Besondres vor.
Feier, Konzert, und dann zum Schluss
Chantartois aus Frankreich kommen muss.

Wir wurden älter mit den Jahren,
doch sollt ihr heut von uns erfahren:
Wir wollen weiter singen, lachen,
unsern Freunden Freude machen.
Wo man singt, da lass dich ruhig nieder,
böse Menschen haben keine Lieder.
Drum laden wir euch herzlich ein
Mitglied in unserm Chor zu sein:
Singe, wem Gesang gegeben,
geht es auch einmal daneben.
Drum sing!

Helga Wetzel